von Siegfried Steiner

 

Die Grimselstrasse von Gletsch bis zur Kantonsgrenze hat eine Länge von 6 km. Auf der Strecke Gletsch - Passhöhe überwindet die Strasse auf 5 km Länge eine Höhendifferenz von 400 m. Der nach Süden exponierte Sonnenhang zwischen Gletsch und Passhöhe heisst Meienwang und er befindet sich, geologisch gesehen, in der Kontaktzone zwischen Aare Granit und Bündner Schiefer. Das Lockergestein ist die Ablagerung einer Seitenmoräne des Rhone Gletschers.

 

Von diesem Hang hat man einem schönen Ausblick auf den Rhone Gletscher und den Furkapass. Der gleichmässige Hang erlaubte schon beim Bau der ersten Strasse eine grosszügige Linienführung. Diese Strasse war gut übersichtlich, so dass der Kanton keineswegs beabsichtigte, die Grimselstrasse in den Jahren 1973 - 1981 auszubauen. In den Richtlinien des Kantons Wallis war der intensive Ausbau dieser Strasse nicht programmiert. Es kam aber anders als man plante.

 

Naturereignisse im Meienwang und der zügige Ausbau auf der Berner Seite veranlasste jedoch unsere Regierung ab 1975 die Arbeiten voranzutreiben. Im Herbst 1974 war in der Region Grimsel - Furka derart viel Schnee gefallen, dass infolge Lawinengefahr die Passstrasse schon am 24. September geschlossen werden musste. Diese frühe Einwinterung des Passes schaffte einmalige Schneeverhältnisse und die Natur war noch nicht winterreif für derartige Schneemassen. Der Boden war zu dieser Zeit noch nicht gefroren und die Temperatur ist durch die Isolationswirkung des Schnees nicht unter O° Celsius gefallen. Die übliche Eisschicht von 5 -10 cm Stärke zwischen Strasse und Schnee fehlte im Frühjahr und durch die Schmelze glitt der Schnee auf der Vegetationsschicht (sog. Kriechen des Schnees) und stützte sich auf den talseitigen Mauern ab.

 

Bei der Schneeräumung im Frühjahr mussten wir zum grossen Erstaunen feststellen, dass auf einer Länge von 1.5 km die talseitigen Mauern vollständig zerstört und dass teilweise die talseitige Strassenhälfte nicht mehr vorhanden war. Dieses Naturereignis, einzig in der 80jährigen Geschichte der Strasse, bewirkte eine Beschleunigung des Ausbaues der Grimselstrasse, deren Projektierung nach den Kriegsjahren in Auftrag gegeben wurde.

Vorerst wurde die Strasse im oberen Teil des Meienhanges saniert. Der Ausbau des Teilstückes Gletsch bis zur Steinerkehre (3 Wendeplatte) wurde wegen des Grossprojektes, Kraftwerk Gletsch, zunächst zurückgestellt. Diese Strecke konnte nach verschiedenen Abklärungen des Kraftwerkes erst im Jahre 1984 in Arbeit gehen, so dass der Kanton Wallis gegenüber dem Ausbau auf der Berner Seite in Verzug geriet.

Auf Vorschlag des Strasseninspektors Zumoberhaus und des Strassenmeisters Senggen wurde die Verbreiterung der Strasse oberhalb Giontalkehre bis Passhöhe auf die Talseite geschoben. Diese Massnahme bewirkte einerseits weniger Schneeräumungsarbeiten und andererseits blieben die bergseitigen Böschungen unberührt. Durch diese Vorkehrung wurde die Zerstörung der Natur auf ein Minimum reduziert. Es war auch schwierig auf 2000 m Höhe Begrünungen vorzunehmen. Die Deponieplätze wurden vom Naturschutzverein Oberwallis bestimmt und nach dessen Weisungen angeordnet.

Die Kreisoberingenieure des Berner Oberlandes, Herrn Rudolf Danz und Herrn Josef Zuppiger, sowie deren Bauleiter, Herrn Jürg Cadegg und Markus Frey erklärten sich in Verdankens werter Weise einverstanden, dem Kanton Wallis unentgeltlich die schönen Granitsteine von ihrem Strassenaushub für das Saaser Mauerwerk zur Verfügung zu stellen. Dank diesem freundnachbarlichen Entgegenkommen der Berner war es uns möglich, so wuchtige, in die Natur passende Bruchsteinmauern zu erstellen. Die Fahrbahn weist eine Breite von 7.00 m auf und die Grimselstrasse ist nach gültigen Richtlinien für Hauptstrassen erstellt worden.

 

Der Kostenvoranschlag für die 6 km lange Grimselstrasse betrug ca. 22 Millionen Franken. Der Subventionsanteil des Bundes schwankte zwischen 51.3% - 60%. Die übrigen Kosten gingen zu Lasten des Kantons Wallis. Die jährlich anfallenden Unterhalts- und Schneeräumungskosten werden vom Kanton allein getragen.

 

Wir möchten auch die Gelegenheit benützen, den eidgenössischen Vertretern des Bundesamtes für Strassenbau, den Herren Direktoren Jakob und Suter, den Sektionschefs Dupuis und Thalmann, sowie dem Inspektor Wildi aufrichtigst zu danken für Ihre Mithilfe bei der Projektierung und für Ihre praktischen Ratschläge bei der Ausführung.

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