Der Grimselweg als Handelsstrasse

von Siegfried Steiner

 

Der Pass über die Grimsel war schon zur Zeit Herzog Berthold von Zähringen,   also am Anfang des XIII Jahrhunderts bekannt.  Der Passübergang diente hauptsächlich als Handelsweg von Italien über die Schweiz nach Deutschland. Der Grimselweg beginnt in Obergesteln und führt über die Alpweiden von Oberwald, um bei « Kreuzegg » die Passhöhe zu erreichen. Auf einem Hochplateau von ca. 500 m Länge, beginnt beim « Hausegg » der Abstieg ins Haslital. Dieser Grimselweg ist heute noch gut erhalten und dient als beliebte Wanderstrecke. Die Wanderer in diesem Gebiet können heute kaum erahnen, wie die Stille dieser Bergwelt einmal belebt war. Über die penninischen Alpen wurden sowohl der Albrun- als auch der Griesspass als Zubringer der Grimsel benutzt.

 

Der ursprüngliche Handelsverkehr geschah auf die Weise, dass italienische Kaufleute Warenkarawanen von je 20 - 30 Maultieren organisierten, ihre Exportgegenstände jenseits der Grenze unterwegs veräusserten und dafür gangbare Produkte der von ihnen besuchten Gegenden als Rückfracht mit zurücknahmen. Zu Ihrer Sicherheit verschafften sie sich Geleitbriefe, für die die betreffende Regierung eine Gebühr und als Vergütung für den Unterhalt der Wege und Brücken Zoll- und Weggeld erhoben.

 

An Stelle der improvisierten Handelszüge trat später ein mehr oder weniger regelmässiger Dienst durch die Säumer. Dieselben besorgten den Transport der ihnen anvertrauten Güter auf eine durchaus zuverlässige Weise und hatten ihre bestimmten Tagmärsche, sowie Stationen mit Gehalthäusern oder Susten (Warenlager), wo die Waren abgegeben, verzollt und eingetauscht  wurden. Solche Susten existierten in Obergesteln und Guttannen. Der Handelswarentransport über den Grimselpass brachte somit verschiedene Berufe in die Dörfer. Nötig waren neben Pferdestallungen Hufschmiede, Sattler, Zöllner und Wirte für die müden Säumer, die sich in den Gasthäusern gute Weinsorten aus dem Süden einschenken liessen.

 

Später wurde der Säumerdienst territorial. Die ennetbergischen (wälschen) Säumer brachten die Waren in das erste, zunächst der Wallisergrenze gelegene Dorf, wo dieselben von Wallisern abgeholt wurden, um sie dann auf Bernerboden den Haslisäumern zu übergeben. Teilstelle zwischen Wallis und Hasli war das Grimselhospiz.

 

Welche Bedeutung damals das Grimselhospiz hatte, kann man sich gut vorstellen. Da konnten sich die Säumer kennen lernen, Nachrichten empfangen und austauschen. Sie waren oft Postboten und Nachrichtenblätter in einem.

 

Schon im Jahre 1397 wurden die wechselseitigen Handelsbeziehungen und Verkehrsverhältnisse staatlich geregelt, indem zu Münster im Wallis eine Übereinkunft der Boten von Bern und Thun, der Dörfer vom Wallis und der Boten von Boten von Bomatt und Eschental zu Stande kam betreffend Herstellung, Instandhaltung und Sicherung der Kaufmannstrasse über die Grimsel nach Bomatt (Formazzatal) und Eschental (Val d'Ossola). Zoll- und Wegegelder wurden grundsätzlich zum Unterhalt der Wege und Brücken bezogen und verwendet. Die Gemeinden oder Talschaften waren jeweils für ihre Territoriumsstrecke verantwortlich. Die über die Grimsel geschleppten Handelsartikel waren hauptsächlich: Wein, Reis, Vieh, Käse, Leder und Eisenwaren.

 

Wenn die Säumer im Spätherbst vom Unwetter überrascht wurden, kam es oft zum Gefrierungstod. Die Pfarrbücher von Obergesteln können das belegen.

 

Der Handelswarentransport brachte für die Dörfer an der Strecke eine grosse wirtschaftliche Blütezeit. Täglich passierten bis zu 200 Lasttiere diese Handelsstrecke. Die grosse Handelszeit des Grimselweges ging im 19. Jahrhundert zu Ende.  Die Strassen wurden jetzt gebaut: 1805 über den Simplon - 1830 über den Gotthard und 1867 über den Furka. Als dann 1885 die Gotthardbahn kam, nahm sie den geplagten Maultieren die Last vom Rücken und zwang die Säumer zum Aussteigen. Die Zeit der Maultierromantik nahm damit endgültig ihr Ende und während einigen Jahrzehnten wurde es um die Grimsel stiller. Sie war eine herrliche, aber gefürchtete, Rinderalpe.

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